Glyphosatverbot – Historische Kehrtwende und Durchbruch!

Man hört Mutter Erde förmlich aufatmen – Glyphosat wird in wenigen Jahren in Europa nicht mehr angewendet werden!

Österreich kommt eine Vorreiterrolle zu es hat als erstes EU-Mitglied, den Einsatz von Glyphosat komplett verboten[1].

Nun zieht Deutschland mit einem Glyphosat-Verbot per 31.12.2023 nach. Geplant ist eine «verbindliche Beendigung der Anwendung» von glyphosathaltigen Mitteln. Dieses Datum ist nicht zufällig gewählt, denn per Ende 2023 läuft die 2017 unter skandalösen Umständen gewährte EU-Genehmigung für weitere fünf Jahre inklusive Übergangsfrist aus. Schon im Jahre 2020 soll in Deutschland die Anwendung von glyphosathaltigen Mitteln substantiell eingeschränkt werden. Vorgesehen ist ein Verbot für Haus- und Kleingärten und öffentliche Flächen wie z.B. Parks. Auch in der Landwirtschaft sind Einschränkungen geplant, so z.B. ein Anwendungsverbot vor der Ernte. Die Einsparungen entsprechen etwa 75% der in Deutschland eingesetzten Glyphosatmenge.[2]

Auch die Deutsche Bahn, der grösste Einzelabnehmer von Glyphosat in Deutschland, ändert ihre glyphosatfreundliche Haltung. Hintergrund: Sie versprüht das Mittel, um zu verhindern, dass Pflanzen auf dem Schienen wachsen und setzt es auf 90% des Schienennetzes ein. Waren es im Jahre 2017 67 Tonnen, so versprühte sie im folgenden Jahr noch 57 Tonnen. Im Jahre 2020, so teilte das Unternehmen mit, werde es den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels um die Hälfte reduzieren, was einer Reduktion von etwa 30 Tonnen entspricht. Geprüft werden nun neue, umweltfreundlichere Verfahren.[3]

Bezüglich Transparenz liegen seit diesem Frühjahr ebenfalls ein bahnbrechendes Urteil und eine entsprechende EU-Verordnung vor. Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa hatte sich geweigert, von Monsanto und Cheminova angefertigte Glyphosat-Studien herauszugeben. Die Begründung: Die Veröffentlichung der Studien würde die Geschäfts- und Finanzinteressen der Hersteller Monsanto und Cheminova gefährden. Man dürfte wohl erwarten, dass eine EU-Behörde für das Wohl der Bevölkerung eintritt und nicht die wirtschaftlichen Interessen der chemischen Industrie vertritt. Dem ist aber offensichtlich nicht so, weshalb sich nach einer Klage von vier grünen Europaparlamentariern der Europäische Gerichtshof (EuGH) damit befassen musste. Dieser entschied, dass die Efsa Studien über Gesundheitsrisiken von Glyphosat, die zuvor als vertraulich deklariert waren, veröffentlichen muss. Das öffentliche Interesse am Krebsrisiko durch Glyphosat wiege schwerer als die Geschäftsgeheimnisse der Chemieunternehmen, befanden die Richter. [4]

Am 17. April dieses Jahres erliess das Europaparlament eine Verordnung, durch welche die Zulassung von Pestiziden wie Glyphosat, Gentechnik sowie Aromen und andere Zusatzstoffe in Lebensmitteln künftig transparenter wird. Die EU-Lebensmittelbehörde (Efsa) wird dazu verpflichtet, Studien zu veröffentlichen, auf deren Grundlage sie nicht nur Glyphosat, sondern auch andere Stoffe zulassen will. Die Unternehmen ihrerseits müssen rechtzeitig relevante Daten für die Zulassung von Lebensmitteln offenlegen, womit es für unabhängige Wissenschaftler und die Öffentlichkeit möglich wird, die Angaben zu überprüfen. Damit wird, so ein Abgeordneter des Europaparlamentes, der «Geschäftsgeheimniskrämerei von Chemieriesen und Efsa» ein Ende gesetzt.[5]

So erfreulich die Kehrtwende der deutschen Politik in Sachen Glyphosat und die grössere Transparenz für die Zulassung neuer Stoffe auch ist – und sie ist ausgesprochen erfreulich! -, so darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein enormes Engagement nötig war und weiterhin sein wird, um die Produktion und Anwendung von Glyphosat und ähnlicher Stoffe für immer zu unterbinden, damit unsere Böden gesunden können. Was diese Entwicklungen aber auch zeigen: ES IST MÖGLICH UND WIR SIND AUF DEM BESTEN WEG DAZU!

 

Quellen:
[1] https://www.tagesschau.de/ausland/oesterreich-glyphosat-verbot-101.html

[2] https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/glyphosat-bundesregierung-plant-verbot-ab-ende-2023-a-1285204.html

[3] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2019-08/umweltschutz-deutsche-bahn-schienen-unkrautvernichtung-glyphosat

[4] https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/glyphosat-efsa-muss-glyphosat-studien-veroeffentlichen-a-1256685.html

[5] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/102525/Zulassung-von-Pestiziden-und-Lebensmittelzusatzstoffen-soll-transparenter-werden