Schweiz: Änderung der Gewässerschutzverordnung (GSchV) sieht eine 3600-fache Erhöhung des Glyphosat-Grenzwertes in Gewässern vor.

Bis am 13. März 2018 ist die Änderung der Gewässerschutzverordnung (GSchV) in der Schweiz in Vernehmlassung. 55 Chemikalien sollen neue Grenzwerte für Oberflächengewässer erhalten, ausschlaggebend ist ihr Schädigungspotential von Gewässerlebewesen. Chemikalien mit der höchsten Giftigkeit für Wasserlebewesen erhalten die tiefsten Grenzwerte. Einige Stoffe, darunter insbesondere Glyphosat schädigen gemäss den vom BAFU (Bundesamt für Umwelt) beigezogenen Untersuchungen die Wasserlebewesen „erst ab relativ hohen Konzentrationen“1. Diese Resistenz ist anscheinend derart hoch, dass der aktuelle Grenzwert um das 3600-fache erhöht werden könne!

Das Schreiben des BAFU, welche die zur Vernehmlassung stehenden Änderungen der GSchV erläutert, beginnt sehr vielversprechend: „In der Schweiz kommen grosse Mengen von Chemikalien wie Biozide, Pflanzenschutzmittel (PSM) und Medikamente zum Einsatz. Ein Teil dieser Stoffe gelangt in die Gewässer. Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass solche Stoffe Wasserlebewesen schädigen können. Der Bund ist bestrebt, diese Belastungen massgeblich zu vermindern.“1 Derzeit besteht für organische Pestizide ein historisch festgelegter Pauschalwert von 0.1 μg/l, der nicht auf abgeleiteten toxikologischen Konzentrationen beruht2. Was ist mit der Idee, mit der Revision der Gewässerschutzverordnung in Zukunft bei der Festlegung von Grenzwerten in Gewässern eine „differenzierte Vorgehensweise“ zu ermöglichen2 denn nicht in Ordnung? Sie ist auf den ersten Blick logisch nachvollziehbar – aber: Wollen wir nicht grundsätzlich weg von Giften in den Oberflächengewässern, welche früher oder später unser Trinkwasser bereitstellen? Wollen wir nicht 0.0 μg Gifte in unseren Lebensmitteln, die uns Lebensenergie spenden sollen, uns durch ihre Pestizidbelastung langfristig aber vergiften werden? Sind die Untersuchungszeiträume der zitierten Studien im Vergleich mit dem realen Leben nicht viel zu kurz? Sie bilden kaum die langfristige Belastung über ein ganzes Menschenleben wirklichkeitsnah ab. Die Bioakkumulation als Weitergabe von Schadstoffen in Nahrungsketten und deren Ansammlung in den Endkonsumenten gehört schon lange zum biologischen Standardwissen. Wir fragen uns vor diesem Hintergrund, wie sinnvoll eine Diskussion über Grenzwerte überhaupt ist. Bioakkumulation kann heissen, dass wir im Alter an einem über die Jahre angesammelten Giftcocktail im Körper zu Grunde gehen anstelle, wie wir es uns wohl alle wünschen, wenn es an der Zeit ist, in Würde sterben zu können.

The World Foundation for Natural Science ist nicht gegen eine Revision der GSchV, zumal wir den oben zitierten Grundgedanken des BAFU „diese Belastungen massgeblich zu vermindern“1, absolut begrüssen. Folgende Punkte müssen dabei aber korrigiert werden:

  • Der Grenzwert von Glyphosat darf nicht erhöht werden
  • Glyphosat wie alle anderen Pestizide sollen einer natürlichen Landwirtschaft weichen

Um die Ausmasse eines Pestizideinsatzes zu verdeutlichen, hat The World Foundation for Natural Science auf das Antwortschreiben des Direktors des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), Bernard Lehmann2, auf unser erstes Schreiben (publiziert auf dieser Homepage als offener Brief3 reagiert und nochmals ein Schreiben aufgesetzt4. Es ist uns unverständlich, wie man Pestizide nach wie vor zulassen kann, wenn man die Bilder von Pablo E. Piovano5 gesehen hat, welche die Folgen des Glyphosateinsatzes in Argentinien dokumentieren. Ebenso baten wir Herrn Lehmann, den Bericht über die Ferkel des dänischen Schweinezüchters Ib Peterson zu studieren, deren Muttertiere Futter mit genverändertem, Glyphosat-resistentem Getreide gegessen hatten und die völlig deformiert geboren wurden – ohne Nase und nicht überlebensfähig. Die Tiere haben das Glyphosat über die Plazenta ihrer Mütter aufgenommen!6

 

Antwortschreiben des Direktors des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW)

Brief von The World Foundation for Natural Science an den Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW)

 

Fragen Sie sich ebenfalls, so wie wir von The World Foundation for Natural Science, was alles noch passieren muss, wie viele Lebewesen noch werden leiden müssen, bis auch offizielle Stellen wie das BLW bereit sind, eine Kehrtwendung zu vollziehen? Ist es nach dem Betrachten solcher Bilder und Studieren jener Schicksale nicht einfach nur gesunder Menschenverstand, wenn wir weg kommen wollen von Pestiziden?

Dann bitten wir Sie: Studieren auch Sie die Quellen, machen Sie sich ein eigenes Bild, informieren Sie sich – zum Beispiel mit den Beiträgen und Quellenangaben, die Sie auf unserer Homepage finden und Themen: Natürliche Landwirtschaft. Nutzen Sie die Zeit zum 13. März 2018, schreiben Sie Briefe an die zuständigen Stellen. Argumente und Textbausteine dafür finden Sie unzählige auf unseren Seiten. Fordern und konsumieren Sie Lebensmittel, die in einer giftfreien Landwirtschaft gedeihen konnten. Sprechen Sie mit den Landwirten in Ihrer Umgebung, unterstützen Sie diejenigen, welche den Weg ohne Pestizide gehen. Gärtnern Sie ohne Gifte – auch in Produkten wie dem Unkrautentferner Roundup für den Hausgarten ist Glyphosat enthalten. Wenn möglich, experimentieren Sie selber: In einem Ökosystem, das sich im Gleichgewicht befindet, sind Gifte nicht nötig. Ein gesunder Boden reguliert die Nahrungsaufnahme der Pflanze so geschickt, dass diese genug kräftig und gesund ist, um Schädlingen und Pilzbefall standhalten zu können.

Mutter Natur ist nicht auf Gifte angewiesen, um uns mit gesunder Nahrung, mit der nötigen Lebensenergie zu versorgen!

  1. https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wasser/recht/vernehmlassungen/mikroverunreinigungen-grenzwerte-vernehmlassung.html
  2. Lehmann, Bernard (7.2.2018), Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, im Schreiben an The World Foundation for Natural Science als Antwort auf ihren Brief vom 12.1.2018.
  3. The World Foundation for Natural Science (12.1.2018): Die Grenzwerte von Glyphosat. Offener Brief an die Bundesrätin Frau Doris Leuthard.
  4. The World Foundation for Natural Science (19.2.2018): Pestizide sind Gifte. Offener Brief an Herrn Bernard Lehmann, Direktor des BLW.
  5. El Costo Humano de los Agrotóxicos / The Human Cost of Agrotoxins. Pablo E. Piovano. Kehrer Verlag Heidelberg Berlin, 2017; http://www.pablopiovano.com/multimedia.html
  6. https://www.infosperber.ch/Umwelt/Glyphosat-Missbildungen-in-Schweinestallen-2