Der GVO-Mais ist nachweislich dem naturbelassenen Mais nicht „substantiell äquivalent“

Gentechnisch veränderte Lebensmittel wurden auf dem Markt zugelassen, da man sie mit dem Etikett der „substantiellen Äquivalenz“ zu naturbelassenen Lebensmitteln versehen hatte.  Das bedeutet, dass GVO in den USA nur eine Einreichung ihres Erfinders bei der amerikanischen Bundesbehörde für Lebens- und Arzneimittelüberwachung (FDA) benötigen, mit der Bitte um deren attestierte Unbedenklichkeit, wobei die Last der Beweisführung beim Erfinder liegt, die FDA wird nicht für Sicherheit garantieren [1]. In der Tat, muss der Erfinder um, dem Buchstaben des Gesetzes nach, deren Unbedenklichkeit bescheinigt zu bekommen, eine Reihe von Studien über einen längeren Zeitraum nachweisen; der Erfinder muss unter Angabe aller Versuchsdaten deren Sicherheit aufzeigen; und in der Wissenschaftsgemeinde muss in Punkto Sicherheit Einigkeit bestehen [2]. Bei GVO ist dies niemals der Fall gewesen; dieses rigorose Gesetz ist bei der GV-Nahrungsmittelbranche nicht zur Anwendung gekommen [1].

Im Jahre 1993 führte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das „Konzept der „Substantiellen Äquivalenz“ ein und die Vereinten Nationen stimmten diesem im Jahr 1996 zu [1]. Das bedeutet, dass der Erfinder eines GVO nicht dazu gezwungen ist, rigorose Langzeitstudien zum Nachweis  von dessen Sicherheit durchzuführen [1]. “Das Konzept der substantiellen Äquivalenz“ verlangt keine soliden Sicherheitsnachweise, sondern basiert im Wesentlichen auf theoretischen Annahmen und Begründungen. Bei diesem Ansatz geht man von der Annahme aus, dass ein durch Biotechnologie entstandenes Nahrungsmittel im Hinblick auf sein konventionelles Pendant „substantiell äquivalent“ ist und betrachtet es dann als ebenso sicher wie den gentechnisch nicht veränderten Organismus, sogar ohne die Art von Untersuchungen, die notwendig sind, um festzustellen, dass es das tatsächlich ist.” [1].“Substantielle Äquivalenz” ist als Begriff nicht klar definiert worden. Die OECD stellt fest: „Das Konzept der Substantiellen Äquivalenz basiert auf dem Grundgedanken, dass vorhandene Lebensmittel, die als Nahrung oder Nahrungsquelle dienen, als Vergleichsmaßstab herangezogen werden können für die Sicherheitsbewertung im Hinblick auf den menschlichen Verzehr eines Nahrungsmittels oder einer Nahrungsmittelkomponente, die gentechnisch verändert oder neuartig ist.“ [3] Wie ein Brief in „Nature deutlich ansprach: „ Die Adoption des Konzeptes der stofflichen Entsprechung durch die Regierungen der Industrienationen hat der Gentech- Nahrungsmittelbranche das Signal vermittelt, dass, solange sie keine Produkte auf den Markt bringt, die zu große Abweichungen in ihrer chemischen Zusammensetzung von jenen sich bereits auf dem Markt befindlichen Produkten aufweisen, sie für ihre neuartigen, gentechnisch manipulierten Produkte Zulassungen ohne jegliche Sicherheits- oder toxikologische Prüfung erhalten würde.” [3]

In den vergangenen zwanzig Jahren sind die negativen Auswirkungen der genmanipulierten Nahrungsmittel auf die Gesundheit gut dokumentiert worden [4]; es ist klar, GVOs sind toxisch. Lesen Sie dazu auch The World Foundation for Natural Science Fact Sheet über die gesundheitlichen Auswirkungen von GVOs [5].

Inzwischen ist nachgewiesen, warum GVO potentiell schädlich ist. Eine kürzlich in „Nature´s“ Scientific Reports veröffentlichte Studie  liefert Beweise dafür, dass GVO-Mais dem naturbelassenen Mais nicht substantiell äquivalent ist [6]. Die Studie untersuchte den gegenüber Glyphosat toleranten, gentechnisch veränderten Mais  NK603. Dieser war seinem natürlichen, nicht genmanipulierten Gegenstück als substantiell äquivalent befunden worden und konnte deshalb auf den Markt gebracht werden. Dennoch ergab diese Studie, dass bei dem molekularen Profilierungsverfahren 117 Proteine und 91 kleine Moleküle in Monsantos NK603 Mais durch das gentechnische Transformationsverfahren nachweislich signifikant verändert worden waren. Dieses GV Futtermittel ist von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) daher bereits als „substantiell äquivalent“ genehmigt und für sicher befunden worden [7]. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht jedoch hervor, dass Tierarten, die eigentlich nicht bekämpft werden sollen, durch sogenannte substantiell äquivalente GV Pflanzen Schaden erleiden. Zum Beispiel berichtet Schmidt et al. [8] im Jahr 2009 von der tödlichen Wirkung des mikrobiologischen Bt Toxins Cry1Ab und Cry3Bb auf Marienkäfer. Diese Untersuchung, zusammen mit mindestens 30 weiteren Studien, führte dazu, dass der Anbau von  Mon810 (spezielle GV Maissorte von Monsanto) im Jahr 2009 in Deutschland verboten wurde. [9] Andere Untersuchungen ergaben, dass die Fütterung von Säugetieren mit GV Soja und GV Mais Nierenprobleme und Leberschäden verursachen [10].

Die Verfasser der Scientific Reports study zeigten elementare Unterschiede zwischen GV Mais und naturbelassenem Mais auf,”…beobachteten einen höheren Anteil an ROS [Reaktive Sauerstoff Spezies], die als freie Radikale agieren und oxidativen Stress in jenem transgenen Pflanzenmaterial fördern. Wir stellen ebenfalls eine Entgleisung bei der Energieverwertung und beim Kohlenhydratstoffwechsel fest …der Nachweis, den wir erbringen, zeigt deutlich, dass NK603 und gentechnisch unveränderter, isogener Mais nicht stoffgleich sind und die Nährstoffqualität von GV Futtermittel möglicherweise durch diese Stoffwechselentgleisung beeinträchtigt ist, die mit dem Energie- und Stressmetabolismus der Pflanze in Zusammenhang stehen.“ [6]Die Gesundheitsfolgen des Verzehrs von GVO sind beim Tier als auch beim Menschen erforscht worden. Ein dramatischer 50-prozentiger Anstieg der angezeigten Soja-Allergien, alleine in einem einzigen Jahr,  ereigneten sich nämlich im Jahr 1999, als GV Soja im Vereinigten Königreich eingeführt wurde [11]. Ebenso wurde im Jahr 1999 in The Lancet eine Studie publiziert, die bewies, dass gentechnisch veränderte Kartoffeln zu Läsionen im Magen und Darm von Ratten führten [12]. Was würde Menschen widerfahren, wenn wir jene GV Kartoffeln äßen? Oder GV Mais über einen längeren Zeitraum? Es wird berichtet, dass es bei chronischen Darmerkrankungen seit Einführung der GVOs in den Vereinigten Staaten einen steilen Anstieg zu verzeichnen gibt [13].

Die amerikanische Bundesbehörde für Lebens- und Arzneimittelüberwachung (FDA) hat geäußert: „Die Behörde hat keinerlei Kenntnisse darüber, dass Lebensmittel, die durch diese neuen Methoden generiert werden [Gentechnische Modifikation], sich von anderen Lebensmitteln in irgendeiner bedeutungsvollen oder einheitlichen Form unterscheiden.” [14] Da momentan die meisten Regierungen der Gentechnik-Branche die Entscheidung überlassen, ob deren Produkt sicher ist oder nicht, ist eine Veränderung unerlässlich, bei der strenge Prüfungen durchgeführt werden, Prüfungen, ähnlich denen, der vom Scientific Reports diskutierten. Wenn eine derart gründliche Analyse der GVOs erfolgt, wird äußerst offensichtlich werden, dass GV Nahrungsmittel definitiv nicht substantiell äquivalent sind und verboten werden sollten.

Dazu gab es außerdem im Januar 2017, eine Gerichtsentscheidung des Obersten Gerichtshofs von Kalifornien, die besagt, dass Monsantos Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat, künftig  mit einem Warnhinweis auf seine krebserregende Wirkung versehen sein muss [15]. Das geschieht aufgrund der Ergebnisse der Weltgesundheitsorganisation und des Internationalen Krebsforschungszentrums (IARC), das im März 2015 Glyphosat als ein mögliches Karzinogen bezeichnete [16]. Die IARC befand, dass Studien aufzeigen, nach denen Glyphosat möglicherweise bei Menschen eine Krebsart namens Non-Hodgkin Lymphom hervorruft und dass Glyphosat bei Tieren ganz sicher Krebs auslöst [17].  Kristi Kapetan, Richter am Oberlandesgericht in Fresno County, hat entschieden, dass Glyphosat in die kalifornische Datenbank als krebserregender Stoff aufgenommen werden sollte [18]. Die Konsequenz daraus ist, dass jedes Produkt, das Glyphosat enthält, in Kalifornien einen Warnhinweis tragen muss, dass es Krebs verursachen könnte. Wenn Glyphosat auf eine Pflanze gesprüht wird, dann wird es von der Pflanze absorbiert- es kann nicht abgewaschen werden [18] – eine weitere Konsequenz könnte noch darin bestehen, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, dazu entwickelt, um gegen Glyphosat resistent zu sein, möglicherweise einen ähnlichen Warnhinweis tragen müssten! Wenn das tatsächlich geschehen würde, dann könnten wir einen potentiell enormen Rückgang beim Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen beobachten und eine entsprechende Abnahme der Verwendung von Glyphosat, etwas, das für die Menschheit, die Natur und den Planeten wirklich gut wäre.

Quellen:
[1] Druker, S., Altered Genes: Twisted Truth, Clear River Press, 2015

[2] GRAS: Federal Food, Drugs and Cosmetics Act, http://www.fda.gov/Food/IngredientsPackagingLabeling/GRAS/

[3] OECD Definition, wie berichtet in Millstone, E. et al., “Beyond ‘substantial equivalence’” Nature, October 7, 1999.

[4] Smith, J. Genetic Roulette: The Documented Health Risks of Genetically Engineered Foods, Yes! Books, 2007.

[5] The World Foundation for Natural Science, GMO Fact Sheet, 2015, https://www.naturalscience.org/de/publikationen/die-verdeckte-verwendung-von-genetisch-veraenderten-organismen/

[6] R. Mesnage et al. “An integrated multi-omics analysis of the NK603 Roundup-tolerant GM maize reveals metabolism disturbances caused by the transformation process” Scientific Reports 6, Article number: 37855, 2016. doi:10.1038/srep37855, http://www.nature.com/articles/srep37855

[7] GMWatch, “GMO maize NK603 is not substantially equivalent to its non-GMO counterpart”, http://gmwatch.org/news/latest-news/17378-gmo-maize-nk603-is-not-substantially-equivalent-to-non-gmo-counterpart, 19 December 2016.

[8] J. Schmidt  et al. “Effects of activated Bt transgene products (Cry1Ab, Cry3Bb) on immature stages of the ladybird Adalia bipunctata in laboratory ecotoxicity testing”. Arch Environ Contam Toxicol 2009, 56: 221–228. 10.1007/s00244-008-9191-9

[9] A. Hilbeck et al. “Underlying reasons of the controversy over adverse effects of Bt toxins on lady beetle and lacewing larvae.” Environmental Sciences Europe 24, doi: 10.1186/2190-4715-24-9 (2012)

[10] Seralini, G.-E. et al. “Genetically modified crops safety assessments: present limits and possible improvements.” Environ Sci Eur 23, 10 (2011)

[11] Daily Express, March 12 1999, Why soya is a hidden destroyer, http://www.iatp.org/news/why-soya-is-a-hidden-destroyer

[12] Ewen, S.W.B, and Pusztai, A., “Effects of diets containing genetically modified potatoes expressing Galanthus nivalis lectin on rat small intestine,” The Lancet 354 (1999) 1353-54.

[13] Genetic Roulette: The gamble of our lives documentary, Jeffrey M. Smith, 2012.

[14] US Food and Drugs Administration, “Statement of Policy: Foods Derived from New Plant Varieties,” Federal Register 57, no. 104 (May 29, 1992): 22991

[15] Los Angeles Times, “California gets closer to requiring cancer warning label on Roundup weed killer” January 27th 2017, http://www.latimes.com/business/la-fi-roundup-cancer-20170127-story.html

[16] IInternationales Krebsforschungszentrum (2015), “IARC Monographs Volume 112: evaluation of five organophosphate insecticides and herbicideshttps://www.iarc.fr/en/media-centre/iarcnews/pdf/MonographVolume112.pdf

[17] K. Guyton et al, im Auftrag des Internationalen Krebsforschungszentrums, Monograph Arbeitsgruppe, IARC, “Carcinogenicity of tetrachlorvinphos, parathion, malathion, diazinon, and glyphosate”, The Lancet Oncology, Volume 16, No. 5, p490–491, May 2015.

[18] Mercola.com, “Monsanto’s Roundup Must Carry Cancer Warning Label, Judge Decrees”, 14th February 2017, http://articles.mercola.com/sites/articles/archive/2017/02/14/monsantos-roundup-cancer-warning-label.aspx