Gut verwurzelt – Eine Reise ins Bodeninnere

Dr. Monika Sobotik, Gelernte Gärtnerin & Botanikerin, Bad Goisern, Österreich

Stefan Birnstingl, Dipl. Ing., Hitzendorf, Österreich

 

Dr. Monika Sobotik entführte die Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine eindrucksvolle Reise ins Bodeninnere und stellte ihnen eine Welt vor, die dem menschlichen Auge gewöhnlich verborgen bleibt: das unterirdische Reich der Wurzeln. Anhand von detailreichen Handzeichnungen zeigte sie die Anatomie der Wurzeln von unterschiedlichsten Pflanzenarten und drang mittels lichtmikroskopischer Wurzelschnitte bis in die Zellebene vor.

Ihre Darstellungen entnahm Frau Dr. Sobotik der 7 bändigen Wurzelatlasreihe, einem monumentalen Grundlagenwerk über die Wurzelsysteme von mehr als 1000 Pflanzen, welches sie als Co Autorin zusammen mit Frau Prof. Lore Kutschera und Herrn Prof. Erwin Lichtenegger hervorbrachte und welches das Resultat von lebenslanger und hingebungsvoller Forschungsarbeit ist. Dies wurde umso deutlicher, als Dr. Monika Sobotik von den aufwändigen Ausgrabungsarbeiten zur Freilegung der Wurzeln berichtete, die stets mittels sorgfältiger Handarbeit erfolgten und je nach Größe der Wurzeln wochenlang dauern konnten.

Die Referentin brachte den Zuhörern überdies die Funktionen und Aufgaben der Wurzeln näher, welche die Pflanze nicht nur mit Wasser und vielen weiteren Nährstoffen versorgen, sondern ihr auch Stabilität und Halt verleihen. Zudem sind die Wurzeln ein bedeutender Lebensraum für Mikroorganismen und können nach ihrem Lebenszyklus auch wieder einen wichtigen Beitrag zur Humusanreicherung und somit zu einem gesunden und intakten Boden leisten.

Schließlich ging Dr. Monika Sobotik auf verschiedene Umwelteinflüsse ein, die das Wurzelwachstum entweder begünstigen oder andernfalls auch beeinträchtigen können. Sie beendete ihren Vortrag mit einem entschlossenen Appell an die Zuhörer, sich „um die Tiefe der Verwurzelung zu bemühen“.

Den zweiten Teil des Vortrags begann Dipl. Ing. Stefan Birnstingl mit einer naheliegenden und trotzdem leider oftmals unbeachteten Erkenntnis: Gesunder Boden gleich gesunde Pflanze gleich gesunder Mensch!

Gemeinsam mit seinem Bruder hatte der Referent vor über 25 Jahren die Bewirtschaftung der Obstkulturen seines Vaters übernommen und schilderte auf eindrucksvolle Weise seine eigenen Erfahrungen mit der Umstellung von einer herkömmlichen zu einer biologisch dynamischen Wirtschaftsweise. An seinem eigenen Beispiel zeigte Stefan Birnstingl auf, was einen gesunden und intakten Boden ausmacht, wie sich dessen Zusammensetzung mittels Bodenanalyse bestimmen und dessen Fruchtbarkeit verbessern lässt.

Dabei hob er besonders einen Faktor hervor: den Regenwurm. Das zahlreiche Vorhandensein von Regenwürmern ist sowohl Indikator eines stabilen Bodens, als auch das beste Mittel zu dessen Wiederherstellung, indem humusreiche Erde und vermodertes Pflanzenmaterial zu wertvoller Wurmerde verarbeitet werden, welche reichhaltige Nährstoffe für nützliche Mikroorganismen beinhaltet. Zudem lockern Regenwürmer den Boden auf und arbeiten den notwendigen Sauerstoff ein, wodurch das Pflanzenwachstum gefördert wird. Die gegrabenen Wurmkanäle helfen sogar den Wurzeln, schneller in die Tiefe zu wachsen.

Herr Birnstingl zeigte auf, dass der Zustand der Böden weltweit hauptsächlich durch schlechte Bewirtschaftung wie Monokulturen zunehmend gefährdet ist, und dass gesunde und intakte Böden ein seltenes Gut geworden sind. Bei der Verbesserung der Bodenqualität sei eine individuelle Herangehensweise unvermeidlich, weil die Böden überall unterschiedlich seien.

Darüber hinaus berichtete Stefan Birnstingl von seinen eindrucksvollen Erfolgen bei der Saat und Ernte von Mischkulturen: Werden die richtigen Pflanzenarten zusammengebracht, können diese in Symbiose wachsen und erstaunliche Ernteerträge einbringen, wie der Referent am Beispiel eines neu angelegten Weinbergs zeigte, der schon im dritten Jahr einen stattlichen Ertrag abwarf. Stefan Birnstingl konstatierte, dass Mischkulturen der Weg für die Zukunft sind und sich diese allmählich auch im konventionellen Anbau durchsetzen werden.

 

21. Oktober 2022, Hotel Mövenpick, Regensdorf