Der Frühling verstummt-Warum immer mehr Insekten und Vögel verschwinden

Neues Factsheet veröffentlicht und Aufruf zur Briefaktion zum Thema Pestizide

Bereits im Jahr 1962 warnte die amerikanische Biologin und Wissenschaftsjournalistin Rachel Carson vor einem „Stummen Frühling“, falls die Industrialisierung der Landwirtschaft ungebremst fortschreite, vor einem Frühling ohne das vertraute Summen von Bienen, Hummeln, Fliegen, Käfern und ohne den fröhlichen Gesang von Vögeln. Dieses Szenario droht nun Wirklichkeit zu werden, wenn wir nicht sofort handeln.

In den letzten 20 Jahren ist in Europa die Individuenzahl von Insekten um bis zu 75% zurückgegangen. Das Verschwinden der Insekten hat wiederum Auswirkungen auf die Vögel, die sich zum größten Teil von Insekten ernähren, ebenso auf die Bestäubung und die Artenvielfalt der Blütenpflanzen wie auch auf die Stoffumwandlung im Boden, da diese in einem ersten Schritt von Insekten geleistet wird. Die Hauptursachen für das massenhafte Insektensterben und das Verschwinden der Vögel sind bekannt: Zerstörung der natürlichen Lebensräume, fehlende Nahrungsgrundlagen, giftige Pflanzenschutzmittel und technische Strahlung. Die Lösungen, um das Verschwinden der Insekten und Vögel aufzuhalten und umzukehren, sind bereits vorhanden. Sie müssen jedoch noch konsequenter umgesetzt werden.

Fact Sheet – Der Frühling verstummt

Erfahren Sie in unserem neuen Factsheet mehr über die Hintergründe und darüber, was getan werden muss, um das Verschwinden der Insekten und Vögel aufzuhalten und umzukehren.

Die Beseitigung einer der Ursachen für das Verschwinden der Insekten und Vögel
steht kurz bevor: Die deutschen Supermarktketten ALDI und der Schweizer COOP haben den ersten Schritt gewagt und giftige Pflanzenschutzmittel auch für Obst und Gemüse, die kein Bio-Label tragen, verboten. Es liegt nun an den Verbrauchern, diese Maßnahmen auch von anderen Lebensmittelhändlern einzufordern. Um den Insekten und Vögeln zu helfen bitten wir Sie: Schreiben Sie persönliche Briefe und fordern Sie Supermärkte auf, nur noch Obst und Gemüse anzubieten, das nicht mit giftigen Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde.

Seit März 2015 hat die Schweizer Supermarktkette COOP ihre Zulieferer von Obst und Gemüse dazu verpflichtet auf alle Pflanzenschutzmittel (Pestizide) zu verzichten, die von Greenpeace als besonders “bienengefährlich” eingestuft worden sind, obwohl sie gesetzlich zugelassen sind. Auch die beiden deutschen Discounter ALDI SÜD und ALDI NORD haben im Januar 2017 eine Liste von acht Pestizid-Wirkstoffen veröffentlicht, die bekannt dafür sind, dass sie Mensch und Umwelt schädigen und nicht mehr für ALDI-Produkte verwendet werden dürfen. Darunter auch drei Wirkstoffe der für Insekten hochgiftigen Neonikotinoide. Das Verbot der Pestizide wirkt sich in den genannten Fällen auf alle Produkte aus, unabhängig von Bio-Siegeln.

Nutzen Sie die Gelegenheit und schreiben Sie Briefe an andere deutsche Supermarktketten, die diese giftigen Stoffe noch immer in ihren Nahrungsmitteln zulassen. Lassen Sie die Verantwortlichen wissen, dass Sie als Kunde nicht mehr bereit sind bei Ihnen einzukaufen, solange sie dem Beispiel von COOP und ALDI nicht folgen. Fordern Sie diese darüber hinaus dazu auf, die Liste der verbannten, giftigen Pflanzenschutzmittel auf alle Pestizid-Wirkstoffe zu erweitern. Unterschätzen Sie nicht den Einfluss von persönlichen Briefen engagierter Kunden an die Leitung der Supermärkte. Ein selbst formulierter Brief erzielt die größte Wirkung. Im Folgenden geben wir Ihnen einige Hinweise zum Verfassen dieser Briefe.

Folgende Inhalte können Sie als Argumente in Ihrem Brief verwenden:

  • Für Honigbienen sind einige Wirkstoffe der Neonikotinoide 10.000 mal giftiger als DDT. Im Frühjahr 2008 starben am Oberrhein in Deutschland auf einen Schlag 11 500 Bienenvölker durch den Pestizid-Wirkstoff Chlotianidin.
  • 52,2% aller Wildbienenarten Deutschlands stehen auf der Roten Liste, sind also bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Bei den Heuschrecken sind es 41,3%, bei den Schmetterlingen 37,5%. Eine der Hauptursachen für dieses Insektensterben sind Insektizide, die neben den eigentlichen Schädlingen auf den Feldern auch alle anderen Insekten vergiften.
  • In den letzten 20 Jahren hat sich die Individuenzahl der Insekten in Deutschland um 75% reduziert. Dieses Ergebnis ist besonders alarmierend, weil die Untersuchungen in 63 Naturschutzgebieten durchgeführt worden sind. Die Ursachen für das Verschwinden der Insekten machen also nicht an Grenzen von Schutzgebieten halt.
  • Folgen dieses Insektensterbens sind eine verringerte Bestäubung auf den Feldern und Obstplantagen und somit geringerer Ertrag.
  • Außerdem wird der Stoffabbau und die Stoffumwandlung von organischen Stoffen in Nährstoffe im Boden reduziert, die zu einem großen Teil von Insekten betrieben wird.
  • Nach dem Einsatz von Insektiziden bleibt Vögeln, die normalerweise Insekten auf Feldern jagen, weniger Nahrung, um ihre Brut großzuziehen und ihre Bestände sinken.
  • Giftige Pflanzenschutzmittel sind nicht die alleinige Ursache des aktuellen Insektensterbens, aber sie stellen eine Ursache dar, die von heute auf morgen sofort beseitigt werden kann.
  • Der Weltagrarbericht zeigte bereits im Jahr 2009, dass ökologische Landwirtschaft ohne Pestizide die wachsende Weltbevölkerung sehr wohl ernähren kann.
  • Studien verdeutlichen statistische Zusammenhänge zwischen Pestiziden in Nahrungsmitteln und einem höheren Risiko für zahlreiche Krebsarten (v.a. Prostatakrebs und Lungenkrebs), Entwicklungsstörungen bei Kindern, Sterilität, neurologische und immunologische Funktionsstörungen, Hormonstörungen, Alzheimer, der Parkinson-Krankheit und Hypersensibilität.

Mögliche Adressaten in Deutschland:

  • Lidl Stiftung & Co. KG, Stiftsbergstraße 1, DE-74167 Neckarsulm
  • Kaufland-Center GmbH & Co. KG, Rötelstraße 35, DE-74172 Neckarsulm
  • REWE Markt GmbH, Domstraße 20, DE-50668 Köln
  • NeS GmbH (PLUS Supermarkt), Wissollstraße 5-43, DE-45478 Mülheim an der Ruhr
  •  Netto Marken-Discount AG & Co. KG, Industriepark Ponholz 1, DE-93142 Maxhütte-Haidhof
  • EDEKA Zentrale AG & Co. KG, New-York-Ring 6, DE-22297 Hamburg
  • Norma Lebensmittelfilialbetrieb Stiftung & Co. KG, Postfach 840155, DE-90257 Nürnberg
  • PENNY Markt GmbH, Domstr. 20, DE-50668 Köln

Mögliche Adressaten in der Schweiz:

  • Migros-Genossenschafts-Bund, Limmatstrasse 152, CH-8031 Zürich
  • Globus Warenhäuser, Industriestrasse 171, CH-8957 Spreitenbach
  • SPAR Handels AG, Schlachthofstrasse 12, CH-9015 St. Gallen
  • Denner AG, Grubenstrasse 10, CH-8045 Zürich
  • eManor (Manor Food), Rebgasse 34, CH-4058 Basel
  • Lidl Schweiz, Dunantstrasse 14, CH-8570 Weinfelden

Mögliche Adressaten in Österreich:

  • Agrarmarkt Austria, Dresdner Straße 70, 1200 Wien
  • Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH, Dresdner Straße 68a, 1200 Wien
  • HOFER Kommanditgesellschaft, Hofer Straße 1, 4642 Sattledt
  • SPAR Service Team, Europastraße 3, 5015 Salzburg
  • BILLA Aktiengesellschaft, IZ NÖ-Süd, Straße 3, Objekt 16, 2355 Wiener Neudorf
  • LIDL Österreich GmbH, Unter der Leiten 11, 5020 Salzburg
  • PENNY Markt, Industriezentrum NÖ Süd Straße 3 Objekt 16, 2355 Wiener Neudorf
  • MERKUR Warenhandels AG, Industriezentrum NÖ-Süd, Straße 3, Objekt 16, 2355 Wr. Neudorf
  • METRO Cash & Carry Österreich GmbH, Metroplatz 1, 2331 Wien Vösendorf