Pestizide sind unnötig und verletzen die Menschenrechte

„Übermäßiger Pestizideinsatz ist sehr gefährlich für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt, und es ist irreführend zu behaupten, Pestizide seien nötig für die Sicherung der Nahrungsproduktion.“ In ihrem Bericht an die UN-Generalversammlung und den UN-Menschenrechtsrat widerlegen die Sonderberichterstatter Dr. Hilal Elver und Baskut Tuncak die Paradigmen der Agrochemiekonzerne.

Jährlich sterben weltweit 200‘000 Menschen an Vergiftungen durch Pestizide, die meisten davon in Entwicklungsländern, wo Regelungen für den Schutz vor und die Anwendung von Pestiziden kaum oder gar nicht vorhanden sind. Pestizide können die Ursache sein für Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Parkinson, Hormonstörungen, Entwicklungsschäden und Sterilität. Besonders gefährdet sind landwirtschaftliche Arbeitskräfte, Menschen, die in der Nähe von Feldern wohnen, schwangere Frauen und Kinder.

Die Experten berichten, dass Pestizide während Jahrzehnten in der Umwelt verbleiben und eine Gefahr für das gesamte Ökosystem darstellen. Pestizide vergiften Böden und Gewässer, verursachen einen Rückgang der Artenvielfalt und reduzieren den Nährstoffgehalt der Nahrung. Auch die natürlichen Feinde von Käfern und Motten werden vergiftet und können ihre Regulierungsaufgabe nicht mehr erfüllen. Als Folge dieser negativen Veränderungen steigen die Kosten für die Nahrungsproduktion und Ausgaben in anderen Bereichen, wie z. B. im Gesundheitswesen und der Trinkwasseraufbereitung, auf der ganzen Welt.

Vor allem die Neonikotinoide, neuartige Pestizide gegen Insekten, sind besonders gefährlich, weil sie mitverantwortlich sind für das Verschwinden der Bienen. Weil 71% aller Feldfrüchte bienenbestäubt sind, ist dadurch die Grundlage der Nahrungsproduktion auf der ganzen Welt bedroht.

Nur für wenige Pestizide bestehen internationale Abkommen, die vor Umweltgefahren schützen sollen. Für einen Großteil der Pestizide und Länder gibt es jedoch keine Regularien, die ausreichenden Schutz bieten. Damit besteht eine kritische Lücke in den Menschenrechten. Ohne strengere Abkommen und Gesetze werden weiterhin besonders die einkommensschwächeren und verletzlichen Bevölkerungsschichten unter den Vergiftungen durch Pestizide leiden.

Die Sonderberichterstatter werfen der Agroindustrie vor, mit falschen Behauptungen die Gefährlichkeit der Pestizide herunterzuspielen. Die Schuld für Umweltschäden wird oft den Bauern zugeschoben, indem behauptet wird, diese würden die Produkte unsachgemäß anwenden. Die Experten drücken im Bericht ihre Besorgnis über die aggressiven und unethischen Marketingstrategien der Agrochemiekonzerne aus: Mit Millioneninvestitionen wird Einfluss auf Politik und Wissenschaft genommen und gegen die wissenschaftliche Beweisführung vorgegangen.

Die Autoren heben hervor, dass längst Lösungen gefunden wurden, damit auf giftige Chemikalien verzichtet werden kann. So ist die biologische Landwirtschaft in der Lage, ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren, um die gesamte Welt zu ernähren. Die Verfasser des Berichts weisen auch darauf hin, dass sichere Lösungen für eine pestizidfreie Landwirtschaft oft erst entwickelt werden, wenn der Staat genügend gesetzlichen Druck auf die Industrie gemacht hat.

In ihrer Zusammenfassung schreiben die beiden Berichterstatter: „Es ist Zeit, den Mythos, dass Pestizide nötig sind um die Welt zu ernähren, umzustürzen und einen globalen Prozess des Übergangs zu einer sicheren und gesünderen Nahrungsmittelproduktion zu beginnen.“

 

Quelle:
United Nations News: http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=21306&LangID=E

Lesen Sie mehr über das Verschwinden der Bienen in unserem Fact Sheet.